Rock im Schritt und Mittelverteilungsdruck

23.August.20

Gestern hat die Reise begonnen. Erstmal mit dem Auto nach Mitteldeutschland. Es ist durch Corona sehr gängig geworden, seinen Urlaub sehr nah am eigenen Zuhause zu verbringen. Find ich super. So sind Fredi und ich jetzt eine Woche im Herzen Deutschlands unterwegs. Der erste Halt findet in Frankfurt statt. War ich schon öfter, diesmal hab ich das Gefühl, mit mehr Zeit werde ich auch mehr von der Stadt und der Region sehen und verstehen. Hoffe ich zumindest.

Vor dem Losfahren standen einige Aufgaben auf dem Erledigungsplan. Staubsauger wegbringen, zum Optiker gehen (nicht geschafft), zum Fahrradladen, Mittagessen mit Freundin, Kaffee trinken mit anderen Freunden, aussortierte Kleidung von Umzugsfreunden entgegennehmen und, und, und. Das meiste habe ich vor der Abreise geschafft. Somit war der ganze Tag aber auch sehr ereignisreich. Morgens lief alles super und ich traf mich mit Freunden, die auch zu der geheimen Radquelle wollten.

Dort, in einer historisch und auch gegenwärtig sehr interessanten und geschichtsvollen Ecke unserer Stadt, fanden wir mehr schlecht als recht versteckt, die Radquelle. Das geht so: Bekannte von Bekannten haben eine Immobilie gekauft, samt Inhalt. Bei der Immobilie handelt es sich um Hallen, bei Bahnhofstorbögen samt Inhalt. Und der Inhalt besteht unter anderem aus Hunderten von Fahrrädern – guten, wie nicht so guten.

Das Geschäftsmodell: Aus den Fahrradteilen und umfangreichen Ersatzteilen, werden neue Fahrräder zusammengebaut oder aufgepimpt. Von Profis.

Denn das, was ich dort gelernt hab, wusste ich als langjährige, begeisterte Radfahrerin längst nicht. Radlänge, Ergonomie, Innenbeinlänge im Verhältnis usw., die Expertise war schon on point und von der Ressourcenschonung des Konzepts ganz zu schweigen.

Meine Freunde haben ein Rad gekauft – ich muss noch nachdenken.

Später haben wir einen Kaffee getrunken und die letzten Tage Sommerwetter vor der nächsten Regenphase genossen. In dem netten Strassencafé standen nach Bestellung vor uns auf dem Tisch: ein Kaffee mit Hafermilch, ein Cappuccino und eine Fassbrause. Und 20 Wespen flogen umher, links am Auge vorbei, knapp die Lippen tangierend, nah am Rock und noch näher an der Fassbrause. Karin legte Münzen auf den Tisch, das hätte der Kellner bei ihrem letzten Restaurantbesuch auch gemacht und siehe da, die Wespen haben Reißaus genommen. Kann man schon so sagen, 1-2 verwirrte scharwenzelten noch immer um den Tisch herum, aber ich würde behaupten, der Trick mit den Münzen war super.

Zurück zuhause hab ich mich mit einer lieben Freundin zum Mittagessen getroffen und später kamen noch Jölle und ihr Freund. Partnerfreund. Neu.

Wir haben geplaudert und sind dann doch Kaffee und Kuchen essen gegangen. Auch hier: Kaum kam der Kuchen und die Getränke, liessen sich die Wespen nicht lange bitten. In Scharen und lechzend nach Zucker umvölkerten sie den Tisch. Generell war keiner von uns vieren jemand, der in Panik gerät oder so, aber essen war eben auch nicht mehr entspannt möglich. Wir legten alle Kupfermünzen auf den Tisch, die wir hatten. Wobei korrekterweise müsste es heissen rote Münzen, denn den genauen Kupferanteil kenn ich nicht. Die Wespen leider waren völlig unbeeindruckt davon. Es war, als würden sie uns auslachen und höhnisch an meinem Kirschstreuselkuchen weiterschlemmen. Die Kellnerin kam vorbei und bot uns an, die Flugtiere mit angezündetem Kaffee aka Kaffeerauch zu vertreiben. Dann kann sie zurück mit einem Edelstahlbesteckkästchen aus dem geräucherter Kaffee dampfte. Wir hatten Spass! Ich kam mir vor wie auf dem Grillplatz.

Schliesslich bin ich nach Frankfurt gefahren und hab mich schon sehr auf Fredi und die anderen gefreut. Als ich mit drückender Blase und vollbepackt mein Auto an einem endlich gefundenem Parkplatz zurückliess, eilte ich ausgestattet mit einem Handy mithilfe von Googlemaps zum Zielort. Erst kurz vor der Tür überfiel mich ein Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Ich griff mir zwischen all den Taschen in Richtung Schritt. Tatsächlich, mein Po hatte den Rock gefressen. Ich konnte es nicht fassen. Vom Auto aus vorbei an 2 vollen Restaurants mit Außengastro, zwei Polizisten, die noch mit einer älteren Dame diskutierten, vorbei an Passanten und keiner hat was gesagt. 

Keiner. 

Bei dem jungen Polizisten spürte ich sogar noch den Blick in meinem Rücken.

Ich war einwenig pikiert – nur dafür blieb mir nicht allzu viel Zeit. In einem sportlichen Tempo bin ich die Treppen hinaufgeeilt, vier Etagen, hab mich rasch meines Gepäcks entledigt und bin in das erstbeste Bad gestürzt. 

Die Erleichterung war groß. Ich glaub, wenn ich das nächste Mal einen Arsch-frisst-Hose-Fall begegne, werde ich was sagen. Ich meine, der Anblick ist für andere bestimmt nicht der Übelste, kann ich mir vorstellen.

Etwas später, als wir uns über die Geschichte zur Immobilie unterhielten, fiel ein Spruch mit dem Wort Mittelverteilungsdruck. Als Anlass für einen Wohnungskauf – also als Scherz, den ich nicht verstanden habe. Schliesslich kannte ich auch das Wort gar nicht. Mittelvergabedruck, Mittelverteilungsdruck, das kommt wohl aus dem Behördensprech und beschreibt Situationen, in denen zum Ende von budgetierten Phasen öffentliche Mittel noch nicht vergeben sind. Damit der Mittelempfänger in der nächsten Periode nicht mit Anpassungen, ergo Kürzungen rechnen muss, sorgt man kurzfristig zum Ende hin dafür, dass die Mittel verbraucht und verteilt werden. Macht logischerweise Sinn, obwohl man es sich bestimmt auch anders organisieren könnte. So hat Jölles neuer Mann die Vermutung geäußert, dass er eines seiner Jobangebote genau aus einem solchen Grund heraus erhalten hat. Nicht nur, aber auch.

Mittelverteilungsdruck – ich bin völlig hin und weg von diesem Wort. Initial passt das konzeptuell auch in eine Klo- und Pipisituation. Zumindest kann ich mir das so vorstellen. Aber es ist auch eine sehr deutsche Angelegenheit sprachlich sehr lange Wörter zu nutzen und dafür andere Wörter zusammenzusetzen. 

Borkenkäferbekämpfung, Kraftfahrzeughaftpflichtversicherung, Aufmerksamkeitsdefizithyperaktivitätsstörung (mit 44 Buchstaben) – hammer!

Gerade bei juristischen Texten und ich nehme an, auch in der Behördenlanguage, werden gerne lange zusammengesetzte Wörter genutzt, um Situationen und Sachverhalte möglichst treffend zu beschreiben. Das läuft im angelsächsischem etwas anders.

Mittelverteilungsdruck, mit dem Wort will ich heute schwanger gehen.

Ciao Amigos

Lara zieht weg

18.August.20

Noch geniesse ich die samstägliche Morgenruhe auf dem Balkon, halte Ausschau nach aggressiven Wespen, die mir in den Mund fliegen wollen und fühle mich ein in die Morgenruhe.

Ein Kind spricht leise in naher Ferne, von weit her hört man Motorengeräusche, Vögel und den raschelnden Wind in Blättern der Buchen und Ahornbäumen in dem Balkon-U. Im Innenhof hat ein Nachbar seine Garage offen stehen und ist darin wie so oft verschwunden. Ich höre nun Frühstücksgeschirr und Sekunden nachdem der Wind in den Baumkronen laut war, spüre ich ihn auf meinem Gesicht. Durch die graue Wolkendecke kämpft sich neckisch die Sonne hindurch, es fühlt sich an wie im Urlaub.

Den ich ab jetzt übrigens habe. Eine Woche intensiven Genuss. Keine Eile, keine Verpflichtungen, nur mehr Möglichkeiten. 

Ich räuspere mich und es hallt intensiv wider. Es ist wirklich noch still, der frühe Vogel halt. Gestern gab es einen starken Regenschauer und weil die Luft nach Regen besonders gut sein soll und sich in meiner Wahrnehmung zumindest auch immer so anfühlt, bin ich direkt spazieren gegangen. Spazieren ist ja mein neues Hobby, man könnte es auch Spazierwandern nennen, wenn aus dem Spaziergang plötzlich 20 km werden. Aber ja, ich finde das toll, das Gehen kann in seinen Geschwindigkeiten sehr variieren, aber ich komme immer mit. Ich kann immer anhalten, innehalten und festhalten. So war ich also gestern Abend spazieren mit meiner Freundin Lara.

Lara hat in 2020 viel erlebt. Es ist das Jahr eines Umbruchs. Trennung und dann ganz viele Fragezeichen. Jetzt zieht Lara nach Berlin. Zweimal hab ich mich während unseres Gesprächs gestern gefragt, warum sie das denn nun macht. Ich kam nicht drauf, schliesslich haben wir drüber gesprochen. Lara hat ihre Arbeit gekündigt und will ihre Zelte abbrechen.

,,Lara, hm, aber warum denn jetzt eigentlich? Ich finde es super, dass du intuitiv spürst, dass dies die richtige Entscheidung ist und ich freue mich für dich und vertraue dir darin sehr – aaaaber …“. So ging das dann. Und Lara grinste nur und antwortete darauf sowas wie: ,,Ja, die meisten Leute ertragen es nicht, dass ich diese Entscheidung scheinbar in Ermangelung eines Grundes treffe.“ 

Die Sache mit den Gründen ist ja so. Natürlich kann jeder und jede tun und lassen, was er und sie will. Aber wenn man zum Beispiel umzieht, dann geschieht das meist aus einer der bekannten, üblichen Motivationen heraus. Job oder Liebe. Bei Lara ist das anders. Sie will einfach eine Veränderung. Sowas wie: Man könnte ja auch die Räume neu streichen oder sich ein neues Hobby suchen. 

Lara aber möchte die totale Veränderung. Find ich ja schon super und vor allem sehr spannend. Wohnung suchen und Job suchen, wird interessant und zweifellos erfolgreich.

Im Coronajahr ist wirklich viel Aufbruchsstimmung um mich herum. Viele ziehen um, wechseln Jobs, lernen neue Dinge oder haben neue Partner. Vielleicht nehme ich das aber selbst nur so wahr, weil es auch mich nach einer Veränderung dürstet. Ich hab vor, mein Leben so zu verändern, dass ich das Gefühl habe, ich führe nun ein anderes Leben. Bisher ist mein Leben toll, das haben wir auch gestern noch konstatiert. Wir leben in einem Land, welches uns viele Freiheiten gibt. Wir geniessen einen hohen Lebensstandard, namentlich eine gute medizinische Grundversorgung und es gibt keinen Mangel in der Lebensmittelversorgung und vor allem auch keine kriegerischen Auseinandersetzungen auf diesem Gebiet.

Trotzdem, ich benötige einen Wechsel. Neue Menschen, neue Herausforderungen, neue Bilder. Kann aber auch sein, dass das alles Quatsch ist. Kann ja auch sein, dass, wenn man sich so verändert, sich ja gar nichts zum Positiven wendet oder dieser Durst nach Veränderung gar nicht gestillt werden kann. Kann sein, dass sobald sich eine Routine einstellt, alles gleich ist, weil wir selbst ja immer dabei sind und deswegen möglicherweise auch immer der gleiche Film läuft. 

So viele „Vielleichts“ und Möglichkeiten. Das spanische Wort für vielleicht – Quizas, finde ich wortmalerisch wunderbar treffend. Es ist eine beinah melancholische Annahme eines großen Zweifels, welches die Fülle aller Möglichkeiten zwischen dem I und dem A als Extreme umfasst. Und sehnsüchtig auf dem Weg dahin, sich dem Quizas anzunähern, egal ob zum I oder zum A, feststellen zu müssen, dass es sich immer weiter entfernt, wie eine Fatamorgana oder kleiner wird, wie ein Scheinriese. 

Es gibt schliesslich keine Antwort und keine Lösung. Es gibt nur, was es gibt.

Ich streiche mir mit der linken Hand auf den rechten Arm. Meine Härchen haben sich in der Sonne aufgehellt und meine Haut empfinde ich als sommerlich gesund und schön. Ich muss auch einbisschen grinsen, immerhin gibt mir das Freude wieder. Ich höre im Bad nebenan, dass man sich die Nägel knipst. Super, ich find Nagelscheren ohnehin ausgesprochen unnötig und komisch. Linkshänder, Rechtshänder und am Ende hat es nicht geklappt.

pfff. Unter meinem Achseln bildet sich am T-Shirt ein Wärmestau, ich schwitze ein wenig. Ich möchte duschen. Als ich gestern geduscht hab, hat die Frische gerade mal 20 Minuten angehalten. Es hat mich frustriert.

Über das „Vielleicht“ hab ich noch nicht sinniert. Noch nie. Dabei habe ich das Gefühl, würde ich nun mittels eines Analysetools oder selbst nur zählen, wie häufig ich es verwende, feststellen, dass dies sehr oft ist. Warum auch nicht?

Es ist ja nichts sicher, auch wenn viele das gerne so hätten und sich wünschen. Vieles ist möglich, sehen wir ja zuletzt an Corona. 

Manchmal habe ich den Eindruck, dass wenn ich auch schon vor Corona Zweifel an den Grundfesten der gesellschaftlichen Konstitution und Organisation äußerte, meine Mitmenschen mit Ablehnung und Angst reagieren:

Wie? Geld verdienen könnte in einem anderen Funktionskonzept nicht funktionieren?

Wie? Mit den berechtigen Zweifeln und dem Stand der Wissenschaft umgehen, könnte nicht sein?

Massenmanipulation? Ja, kenn ich aus der Werbung, aber es soll auch überall sonst stattfinden, wo die Öffentlichkeit in den Medien einen konsensualen Diskurs führt?

Die meisten Menschen haben Angst davor, feststellen zu müssen, dass einiges von dem, was als gegeben hingenommen und akzeptiert wurde, nicht so ist oder nicht so sein könnte. Eine andere Frage ist natürlich, was aus dieser Erkenntnis denn nun resultiert. Damit bestimmte Dinge funktionieren, muss man sich als Gesellschaft auf normative Verhaltensweisen und Definitionen einigen.

Zunächst zurück zum Wort „Vielleicht“. Der Duden, mein bester Freund, schreibt im Wesentlichen, es handele sich um ein relativierendes Adverb. Dem stimme ich soweit zu, zur Herkunft aber schreibt der Duden:

Herkunft: spätmittelhochdeutsch villīhte, zusammengerückt aus mittelhochdeutsch vil līhte = sehr leicht, vermutlich, möglicherweise

Das stellt mich jetzt ehrlich gesagt nicht zufrieden. Die „sehr leicht“ Bedeutung ist nachvollziehbar, aber wieder bleibe ich mit mehr Fragen als Antworten zurück. Ich checke mal die nächste Quelle. Wikipedia schreibt von Künstlern, deren Lieder oder Filme mit vielleicht tituliert sind, wahlweise mit einem Ausrufezeichen oder einem Fragezeichen oder so. Und Achtung von der sogenannten verbalen Rating-Skala. Diggäh, ich hätte jetzt gern einen Brockhaus.

Nachdem ich diesen Artikel von Wikipedia gelesen habe, weiss ich nun, es gibt auch eine numerische Rating-Skala und eine sogenannte visuelle Analogskala. Interessant. Die Experten auf den entsprechenden Gebieten wissen Bescheid.

Das Wort vielleicht behalte ich von nun an im Blick. Eine historische und am Wort orientierte Auslegung ist mir am liebsten.

Mittlerweile habe ich mich reingesetzt. Die Sonne ballert nun richtig auf die Haut und das Schwitzen erreicht einen neuen Höhepunkt. Der graue Himmel enttäuscht mich, er sorgt so gar nicht dafür, dass es angenehm und erträglich ist. Die vielen grauen Wolken sind schwache Fake-Wolken. Das ist wie bei einem zahnlosen Tiger. Egal, ich muss eh los. Einen Staubsauger wegbringen, den ich seit Wochen im Kofferraum habe und zu einer geheimen Quelle. Das zu meinem Samstag.

Ciao Amigos 

Special – Outstanding Blogger Award

02.Dezember.20

Ich freue mich über die Nominierung durch die liebe http://ella-q.com !

Damit das Ganze funktioniert, wird hier verlinkt bis zum abwinken 😉 – mein erstes Mal also, ich freu mich auf die Antworten der Nominees und hab auch deine https://ella-q.com sehr gerne gelesen :).

I got nominated for The Oustanding Blogger Award

And received following questions:

  1. If you have a day to live. How will you use this day? party and yoga, in this order
  2. If you could change something in the past, what would you like to change? nothing, I anyway do not know if there would be an impact or not
  3. Which is your favourite country and why? Jamaica, #mood
  4. Do you believe in guardian angels? no, but in people and animals and hearts
  5. What do you understand by light and how do you define it? light is many out of many shades
  6. Which person would you like to be one day and why? me, its very ok to be me, I try being nice and kind every day – harm my environment the less possible – respect everyone and everything
  7. Where do you see yourself in 20 years? laying in a garden by a pool on the ground and watching the sky – for hours 😉

I nominate:

https://blooferlife.art.blog

https://wellenbrecher.blog

http://fight-the-weight.com

https://lilliansbookshelf.wordpress.com

https://badassotter.com

https://example86818.wordpress.com

https://matysplanet.com

http://feliciascoronatagebuch.com

https://tagebucheinersprachenlehrerin.wordpress.com

https://feinerbuchstoff.wordpress.com

looking forward to reading your answers 😉

And the questions to my nominees:

why?

when?

what?

where?

how?

what luminary you prefer?

what is your first name and which one would you have chosen for yourself?

RULES OF THE OUTSTANDING BLOGGER AWARD:

Provide the link to the creator’s original award post, (very important: see why in last step)

Answer the questions provided

Create 7 unique questions

Nominate 10 bloggers. Ensure that they are aware of their nomination. Neither the award’s creator, nor the blogger that nominated you can be nominated

At the end of 2020, every blog that ping-backs the creator’s original post will be entered to win the 2020 Outstanding Blogger Award!..
This award was created by Colton Beckwith originally…

Ping back link

ciao amigos

Transzendenz und Zeitmangel

16.August.20

Es ist Sonntag, 9 Uhr und ich liege im Bett, radiohörend und tippend. Und ausserdem ist mir übel. Ich hab vorhin festgestellt, dass ein neuer Zyklus begonnen hat. Mein Körper fühlt sich seltsam an: kraftlos und komisch. 

Mein Klobesuch war begleitet von einem kurzen Moment der Resignation. Es fühlte sich an wie: „Ok, in Ordnung, ich hab keine Wahl“.

Wach bin ich schon länger, ich wollte schwimmen gehen. Heute um 9 Uhr hatte ich vor, Sprünge zu üben. Aber in Anbetracht meiner körperlichen Unfitheit und einer gewissen Unberechenbarkeit des Schmerz- und Übelkeitsverlaufes, entscheide ich mich für die warme Geborgenheit meines Bettes.

Diese Woche hat rückblickend einige Besonderheiten aufzuweisen und mir interessante Beobachtungen beschert, da sich sehr viel ereignet hat.

Ich war in Darmstadt, in Bielefeld, in Düsseldorf und komme mir vor, als wäre ich wirklich viel herumgekommen. Natürlich, wir befinden uns schliesslich im Jahre 2020, dem Jahr von Corona, von Covid-19.

Es ist aber bisher auch das Jahr, in welchem äußere Umstände die (digitale) Beschleunigung ausgebremst haben. Einige behaupten, nur für kurze Zeit. Ich indes sehe eine deutliche nachhaltige Komponente. Viele Menschen aus meinem Umfeld überdenken gewissenhaft und intensiv bisherige Gewohnheiten – ich denke, das ist schon viel.

In diesen Zeiten war ich ich also an diesen drei zugegebenermaßen, relativ unweit auseinander liegenden Orten und ehm, habe Dinge erledigt. Meine Arbeits- und Freizeit kann ich glücklicherweise flexibel abstimmen, sodass ich die Zeit optimal nutzen kann. Allerdings wird mir dadurch eine Art von Transzendenz deutlich. Es gibt keine richtige Trennung mehr von Zeit und Raum. Arbeitszeit und Freizeit, und Arbeit und frei können ebenso theoretisch an vielen Orten gleichzeitig exerziert werden. 

In Darmstadt war ich bei Menschen, die auch im Homeoffice gearbeitet haben, sodass wir uns zu dritt einen Co-Working Space gestaltet haben. Das fand ich super. Gleichzeitig habe ich oft abends (nach der Arbeit) neben meinem privaten Handy auch mein Diensthandy dabei und erwische mich dabei Emails zu lesen, Präsentationen anzusehen oder so. 

Je nachdem, welchen Job man hat, ob man eine kreative umfangreiche Aufgabenstellung verfolgt oder einfach eine Lösung für ein zwischenmenschliches Problem oder einen Konflikt sucht; oft gestaltet sich eine Lösungsfindung unterbewusst oder es kommt eben bei einer unerwarteten Situation oder eine klassischen Alltagssituation zu einer Lösung. Was bisweilen zu einer zeitnahen Umsetzung führt und somit alle zeitliche und räumliche Trennung aufhebt.

Es gibt fliessende Übergänge und in meinem Kopf scheint es auch keine Trennung der Bereiche mehr zu geben. Die Trennung liegt nur darin, dass ich sagen kann:. „Ok – jetzt lese ich diesen Artikel, oder jetzt musiziere ich lieber, oder ich fange heute später an, weil ich um 7 Uhr ins Schwimmbad gehen möchte“. Aber alles ist miteinander verbunden. Alle Tätigkeiten und Aufgaben bilden die Erwartungen meiner Außenwelt aber auch und vor allem meine eigenen Erwartungen an mich selbst. Neu ist – mir ist sehr bewusst, wie frei ich darin bin das zu gestalten.

Die Flexibilität und Entscheidungsfreiheit erlaubt mir, die Zeit so zu nutzen, dass ich sie selbst als maximal sinnvoll erlebe. Ich kann nicht mal sagen, ob die Voraussetzung dafür eine positive Assoziation mit dem Beruf und verbunden Aufgaben sein muss. Ich versuche mir allerdings auch Unschmackhaftes schön zu machen, damit ich mit Spass dabei sein kann und Spass ist ja unlimitiert – zumindest in meinem Kopf ist viel davon. 

Jetzt wird der eine oder andere denken: „Jaaaa, aber ich kann das nicht wegen ….“. Nein. Die Begrenzungen sind in unseren Köpfen und sonst nirgends. Mit seinen individuellen Möglichkeiten kann man sich Gestaltungswege finden. Aber zugegeben: Manche Menschen finden ohnehin immer Gründe und Ausreden, weshalb Dinge nicht gehen. Da komme ich nicht mit, ich bin ein eher aktiver „Möglichkeitensucher“.

Zwischendurch schlucke ich immer mal wieder viel Spucke – das ist die Kurz-Vor-Kotzen-Situation. Ich traue mich definitiv nicht, Kaffee zu trinken. Ein Glas Wasser versuche ich mal. Der erste Tage der Periode ist mit schrecklichen Erfahrungen verknüpft: Nächtelanges, tagelanges überm Klo hängen, zitternd vor Elektrolytmangel im Bett liegend, krümmend vor Schmerzen irgendwo sitzen oder im besten Fall – Ruhe haben und mit Scherzmitteln im Bett liegend, innerlich betend und bettelnd sofort einschlafen zu dürfen, um das alles nicht mitzubekommen. Viele Frauen kennen das. Aber Angst macht mir, dass es nicht immer gleich abläuft. 

Ein Hormonspiegel kann schwanken und somit auch die Ausprägungen der Periode.

Was sie auf jeden Fall macht, ist es mich zu entschleunigen. Bei anstrengenden Unternehmungen bin ich raus, bei festen Verabredungen bin ich auch raus – ich brauch da absolute Freiheit mit der Option jederzeit abhauen zu können und mich in mein Bett flüchten zu können.

Entschleunigung ist ein gutes Wort, vllt. das Wort der Stunde. Eines dieser Wörter, die vor Corona immer in Begleitung der Wörter Stress, Arbeit und Burnout einher kamen. Als Lösung, als Allheilmittel. Zusammen mit ihrer Schwester Achtsamkeit und deren besten Freundinnen Yoga und Meditation.

Ist ja wirklich so. Zumindest verdächtige ich die Medien und den modernen Sprech, es handelt sich um Sprachassoziationsketten a la mode. In der Werbung spricht man von so festen, als Zusammenhang feststehenden Wortpaarungen, kontextuell von Framing, im positiven Sinne. Aber das ist genau genommen nichts Neues.

Na, jedenfalls setzt das Bedürfnis nach Entschleunigung zunächst die Wahrnehmung eines beschleunigten Daseins voraus. Auch anders formuliert, dass das Individuum in seinem Dasein in einer Welt, die immer mehr verlangt (zum Beispiel Aufmerksamkeit), sich immer schneller dreht und uns auch immer mehr verwirrt, komplett überfordert ist und deswegen nach Langsamkeit lechzt. Nach Übersichtlichkeit; es kann ja noch alles erklärt und beschrieben werden, aber wann soll man das denn alles verstehen können?Es fehlt einfach an Zeit.

So schrieb ich ja bereits in der Vergangenheit davon, dass ich mir bspw. meine Samstage frei von Verabredungen halten wolle. Und so gerne ich jetzt im Schwimmbad wäre, ich finds auch schön, nun gerade auf dem Balkon zu sitzen und zu schreiben, jetzt einen Kaffee zu trinken, der gleich hoffentlich noch drin bleibt.

Zurück zur Woche: Ich brauche mehr Zeit, um all die Dinge zu tun, die ich gerne tun würde. Ja, ich könnte auch die Anzahl der Dinge reduzieren, die ich tun will oder einfach priorisieren. Aber nein, ich brauche mehr Zeit.

„Ja, dann nimm sie dir doch!“, hör ich von weitem die Besserwisser unken. 

Stimmt. Also geh ich jetzt unter die Dusche, höre laute Musik und tanze dazu, wasche mein Gesicht.

Setze mich dann auf dem Balkon und starre 5 Minuten durch die Gegend, bereite danach schon das Abendessen vor und lese dann ein bisschen.

Dann treffe ich mich auf einen Tee. Und dann treffe ich mich auf Weinchen und Klamotten aussortieren mit Jölle.

Die Challenge ist es wohl, sich immer wieder Zeit zu nehmen. Egal für was.

Ciao amigos

Der frühe Vogel

08.August.20

Mein Vogel ist für diesen Samstag richtig früh, allerdings mag das nur an den lauten Autos draußen liegen, weshalb ich vorhin das Fenster geschlossen hab‘. Ich verstehe nicht, wieso manche Menschen so extrem laute Gefährte brauchen, es wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben.

Am gestrigen Freitag hat mich für das perfekte Homeoffice-Gefühl eine Kollegin besucht auf einen schönen sommerlichen Aperitif und hinterher war ich noch im Freibad. Diese öffentlichen Bäder sind wahnsinnig interessante Orte und in großer Zahl findet sich verhaltensauffälliges Volk gerade im Sommer dort wieder – die Gründe liegen zwar auf der Hand und auch der vorherrschende Altersschnitt, ich frage mich trotzdem, wo dann die anderen sind. Weshalb wirken Bäder gerade im Sommer so asozial und niveaulos bevölkert? Vielleicht weil die Menschen auch keine formende Straßenbekleidung anhaben und genauso innerlich alle Verkleidung abnehmen, sämtliche Filter und Hemmungen? Die Bademeister haben auf jeden Fall sehr viel zu tun und das liegt nicht an unförmigen Körpern. Die an den Tag gelegten Verhaltensweisen, wenig Verständnis und darüber hinaus Respektlosigkeiten und fehlende Regeltreue entsetzen mich dann und wann, weil mit einem solchen Verhalten das große Ganze nicht funktioniert; Gemeinschaften wie die unsere, also freie Gemeinschaften, leben essentiell von gegenseitiger Rücksichtnahme. Schade, dass das vielfach nur mit klaren Regeln, einer gewissen Härte und konsequentem Handeln erreicht werden kann.

All in all hatte ich aber Spaß in dem Bad und körperlich ausgetobt traf ich zurück vor der Haustür an der Mauer meine Nachbarn. Das nette Pärchen. Und hier ist „nett“ etwas untertrieben im Hinblick auf die absolute Sympathie. Gemeint ist damit „nett“ in einem reinen Sinne, sehr freundlich und aufmerksam, fürsorglich und lieb. So nett halt. Mit Freunden weilten sie mit Getränken vor der Mauer des Hauses unter dem Schatten zweier sehr mächtiger Platanen. Ich entschied mich, kurzerhand noch eine große Spazierrunde zu gehen, weil die Temperaturen das eigentlich auch so wollten, und doch kam ich dabei nur bis zur Mauer.

Wir haben geplaudert über dieses und jenes und ich musste erstaunt feststellen, dass im Viertel ein Wettbewerb darüber ausgebrochen ist, wer denn das schönste Beet hat, und die Beetleute kennen sich nun alle und formieren sich außerdem zu Gemeinschaften von freiwilligen Müllsammlern, um ihre Umgebung sauber und schön zu haben.

Ich find das super – ich meine, das ist kein Spießerding, es ist eben ein Selbstanpacken, wenn die öffentlichen Strukturen hier und da nicht ausreichend sind. Ich muss dazu sagen, wir wohnen an einer sehr besonderen Stelle, direkt am Rhein. Aus der Perspektive meines Auges beim Blick aus dem Fenster trennen mich nur die alten Platanen vom Vater Rhein. Und am Rhein selbst gibt es eine ausgesprochen beliebte Wiese, eine hochfrequentierte Promenade und direkt am Wasser ausgewiesene Grillgründe. Dies alles erzeugt bei sommerlichem Wetter einen Urlaubsflair für viele Menschen aus der Umgebung und weiter her. Leider nehmen nicht alle ihren Müll mit. Es fehlt auch an Entsorgungsmöglichkeiten und am Ende haben Raben und Elstern ein leichtes Spiel und einen Gaumenschmaus à la carte. Sie ziehen alles aus den Tonnen, picken die persönliche Selektion heraus und, guess what, lassen den Rest einfach liegen.

Ich würde mal sagen, die Stadt hat was zu tun und weil das in erster Linie Warten bedeutet, machen die Nachbarn eben freiwillig sauber. Find‘ ich gut und bin ich auch dabei.

Ja, also gestern war es wie gesagt sehr schön, das befreundete Pärchen von meinen Nachbarn hat vor, in diesem Herbst zu heiraten nach 14 Jahren(!!) Beziehung und ich war sehr entzückt. Ich fragte nach dem Geheimnis ihrer Liebe und sie sagte dann ziemlich flott: Wir sind einfach streitfaul, wir haben einfach keine Lust uns zu streiten.

Wooouhouu. Ja, der ist natürlich gut, ich fand, das ist ein super Tipp. Hm, ich bin mittlerweile auch streitfauler geworden, mal sehen. Als ich mit einem konkreten Beispiel nachhakte, war die Unerreichbarkeit des Zustandes der Streitfaulheit etwas relativiert und der Glanz plötzlich deutlich stumpfer, denn die eine konkrete Erzählung (eine/r ist zickig, es gibt vllt. ein Missverständnis, es folgt eine kurze Auseinandersetzung, man geht räumlich auseinander, später vertragen) kam mir sehr bekannt vor aus meinem eigenen Repertoire.

Ist euch eigentlich schon mal aufgefallen, dass „vertragen“, „sich vertragen“ oder „etwas vertragen“ im Wortstamm den Vertrag enthalten. OMG, war mir nicht so bewusst. Unmittelbar scheint es den Vorgang der Versöhnung, des Aufeinanderzugehens zu formalisieren. Deutsch ist eine geniale Sprache, in vielen Punkten aber sehr formalistisch, behördlich, trocken, amtsdeutsch und technisch.

Etwas anders dagegen das österreichische Deutsch. Das höre ich zuletzt täglich stundenlang, weil ich eine neue Serie suchte. „Vorstadtweiber“ in der ARD-Mediathek.

Ich hatte in der vergangenen Woche meine Cookies gelöscht und auch alle anderen Privatsphäre-Einstellungen untersucht und am Ende einfach vor lauter Wut und Entsetzen gelöscht; was ich in Zukunft häufiger machen möchte. Wut darüber, welche Erlaubnisse ich erteilt hatte, um mich vollumfänglich tracken zu dürfen – und wem auch noch!

Meine PW-Einstellungen für Netflix waren also weg und ich schau’s eh nicht oft. So fand ich diese Vorstadtweiber online und bisher bin ich gut unterhalten. Den Machern ist das Nuancieren und das Herausarbeiten des typisch Österreichischen gut gelungen. Und das geht zumeist auch über Sprache, nicht nur über den Dialekt und Redensarten.

Schleich dich, schnackseln, eh nicht, dieses etwas nasale Deutsch-Eigengebräu gefällt mir momentan sehr. Die Story ist nicht anspruchsvoll, aber unterhaltsam gut. Ich würd‘ sagen, es ist mehr Würze drin als bei einer klassischen deutschen Produktion in der ARD. Steinigt mich nicht, macht’s euch selbst ein Bild.

Jetzt ist es schon etwas später und es dürstet mich nach einem Glas Wasser und Kaffee. Ich bin froh drüber, dass der frühe Vogel mir die Muße gegeben hat, heute hier schreiben zu können.

Was mit Felix ist? Ich vermisse ihn und hab‘ ein gutes, warmes Gefühl, wenn ich an ihn denke.

Schönes Wochenende

Wohin mit dem Öl aus dem Antipastiglas?

04.August.20

Ja, ich hab‘ grad mit einer Freundin telefoniert und sie gefragt, was sie mit dem Öl aus Antipastigläsern macht? Normalerweise bin ich nämlich keine Antipasti-Esserin bzw. kenn‘ ich das nicht wirklich, dass man das im Glas kauft. Ich kenne das eher so, dass man Vieles selbst macht und selbst einlegt. Aber die Temperaturen der letzten Tage und meine plötzlichen Gelüste nach besonderen, kräftigen Aromen, haben mich im Supermarkt vor diesen Gläsern von Oliven, Artischocken und eingelegten Champignons überwältigt. Die Champignons waren eher unnötig, hätte man echt selbst schnell machen können, aber ich wollte es gerne probieren. Auch ist es schön praktisch, wenn man Freunde zu Besuch hat.

Jedenfalls hat die Besagte Freundin zum Besten gegeben, sie würde das Öl zumeist für Salatdressings aufbewahren und Gurkenwasser sogar immer trinken. 

Wow.

Ich nicht. 

Ehm, tja, es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich einige „Glaswässer“ oder -öle sicherlich für Salate oder andere Gerichte zum Aufpimpen eignen, aber ich weiß nicht, da hege ich ein großes Misstrauen der Ernährungsindustrie gegenüber.

Allerdings überzeugt die Kombination fest und geschmackvoll mich in der Richtung mehr als flüssig und geschmacksstark. Was ist also die richtige Art, dieses Flüssige, eben nur das Öl, richtig zu entsorgen, falls ich mich entscheide, es nicht weiterzuverwenden?

Elsi würde mit einiger Wahrscheinlichkeit eine Entsorgung über das Klo vornehmen. Öl und Wasser? Ich werde gleich die Etiketten studieren. Meine Vermutung ist, das Öl ist im normalen Haushaltsmüll besser aufgehoben als im Klo oder generell im Abfluss.

Übrigens: mein Misstrauen der Lebensmittelindustrie gegenüber ist sehr ausgeprägt. Gute Lobbyarbeit und von der Presse gerne verwendete Euphemismen machen uns glauben, alles sei in Ordnung.

Lebensmittelsicherheit, Trinkwasserqualität, verbraucherfreundliche Preise – sie verschleiern und wiegen uns in vermeintlicher Sicherheit, an die alle auch gerne glauben können, wenn sie denn möchten.

Dabei ist den meisten Menschen nicht bewusst, was ihre Lebensmittel genau beinhalten: von künstlichen Aromen bis zu Stroh. Es werden viele ausgeklügelte Techniken angewandt und aufgefahren, um auch aus diesem Geschäft das meiste Kapital herauszuholen. Schon lange verzichte ich daher weitgehend auf behandeltes, industriell verarbeitetes Essen – wohlwissend, dass leider auch unser Obst und Gemüse, ja selbst das Wasser, genetisch, künstlich und mindestens aber umweltlich beeinflusst und verändert sind. Auf eine Art und Weise, bei der noch niemand Langzeitwirkungen korrespondierend nachweisen kann, weil uns in den meisten Fällen die wissenschaftlichen Erkenntnisse fehlen. Dummerweise ist es auch nicht gewollt. Es wäre kein Widerspruch mit wirklich hochwertigen, guten Lebensmitteln auch guten Profit zu machen.

Wie komme ich aber heute zu diesem Rant? Eine an Krebs erkrankte Bekannte erleidet Rückfalle in Form epileptischer Anfälle und wird vielleicht nie wieder arbeiten können, obwohl sie gerne würde und das Arbeiten ihr Leben sozial aufwertet.

Beim Mittagessen in der Kantine unterhielt ich mich mit einer Kollegin darüber. Sie ist in dieser Hinsicht bereits sehr leidgeprüft, da sie im Laufe der Zeit einige liebe, nahe Menschen an diese Krankheit verloren hat.

Wir kamen nach langer Diskussion zu dem Schluss, dass sehr wahrscheinlich der Krebs als Zellmutation eng mit unseren Lebensgewohnheiten und unserer Ernährung zusammenhängt. Dazu kommt das Wissen darum, dass Chemotherapien außerordentlich teuer und kostspielig sind und angeblich auch dann noch zum Einsatz kommen, wenn die Überlebensprognosen kaum noch vorhanden sind. Ich stelle keinen direkten Zusammenhang her. Für mich gehören Ernährung und Gesundheit untrennbar zusammen und dies insbesondere bei Menschen, die zuvor weitgehend immer gesund waren.

Natürlich könnte nun ein Einwand kommen, ich wäre kein Arzt, kein Experte und habe tatsächlich für diese Kommentierung keine wissenschaftlichen Studien ausgewertet, die ich hier benennen kann. Aber es lässt sich dennoch beobachten, dass vieles ungeklärt ist. In einer Gesellschaft, die sich für so aufgeklärt hält, und insbesondere auch der Punkt, dass häufig versucht wird, bei bestimmten Erkrankungen medikamentös zu heilen, werden einige Therapieansätze unterstützt, andere gar nicht. Wobei eine Ernährungsanpassung oder Umstellung unterstützend oder gar heilend definitiv ein mitunter nachhaltigerer und günstigerer Ansatz wäre.

Der Profit wäre allerdings für einige Akteure weitaus geringer im Vergleich zu heute.

Da der gesamte Themenkomplex schon traurig genug ist und mich ermüdet, mach‘ ich jetzt mal Schluss, lese die Glasetiketten und schaue jetzt eine Reportage über Epigenetik auf Arte. Ich bin gespannt.

Bonne nuit 

Hin und Weg

03. August.20

Dafür, dass Schlafen eigentlich mein Hobby ist und ich wirklich sehr gerne schlafe, fällt es mir mit zunehmenden Alter und vllt. auch gerade in dieser Phase schwerer einzuschlafen. Das größte Hindernis sind rasende Gedanken, weswegen ich mittlerweile diese Zustände einfach hinnehme und dann wahlweise musiziere, lese oder eben wie jetzt schreibe. Es war ja auch ein ereignisreicher Tag, aber insbesondere liegt in meinem Bett gerade Felix. 

Das ist megaweird. Also, heute kam er halbwegs spontan, aber mit Hindernissen vorbei. Wir trafen uns auf einer Fahrradroute, die wir dann gemeinsam als kleine Etappe gefahren sind – denn das war eben der Plan und das hat auch wirklich großen Spaß gemacht. Eine gute Rast und eine Pizza später haben wir uns noch ein bisschen unterhalten und sind nun ins Bett. Man darf durchaus bei einigen bewältigten Kilometern für Untrainierte, erschöpft und müde zu Bett gehen; das ist mehr als legitim, auch weil morgen schon wieder Programm stattfinden wird. 

Felix ist mir dennoch menschlich ein Rätsel. Deswegen muss ich grad so grübeln. Da will er gerne spontan meinen Vater treffen, der ihn heute angerufen hat, völlig randommäßig. Gleichwohl hab‘ ich irgendwie das Gefühl, emotional ist eine unsichtbare Wand zwischen uns beiden.

Ich spüre ab und an das Bedürfnis, diesem Gefühl nachzugehen, die Wand zu durchbrechen, aber ich weiß nicht wie und ich fürchte, dass wäre ziemlich typisch für mich. Möglicherweise abrupt oder zu radikal oder einfach zu krass.

Kennt ihr das? Mein Eindruck ist, es gibt Menschen, die für sich Situationen und Umstände, welche sich nicht gut anfühlen, beobachten, und trotzdem nichts ändern. Ich jedoch ändere gern mit leidenschaftlicher Vehemenz.

Zum Beispiel gibt es einen Kontext der früheren Beziehung zu Felix, in welchem ich häufiger Schluss gemacht hab, eben aus Situationen heraus, in denen ich eben diesen kontrollierten Bereich verlassen habe und sehr impulsiv gehandelt habe. Es muss in unserer Dynamik etwas sein, dass mich extrem triggert. Wenn ich davon spreche, dass mir Felix ein Rätsel ist, meine ich, dass er für mich auch unberechenbar ist, und meine Reaktion aus der Ohnmacht ist sehr impulsiv. Aus unbedingtem Wunsch heraus, mich physisch und psychisch genau in dem Moment zu distanzieren. 

Nächster Tag

Als ich dann so nachts schrieb, kam Felix und fragte mich, ob ich wieder ins Bett käme. Ich dachte: „Ok, könnte ich mal versuchen in seinem Arm einzuschlafen“, der Körpergeruch und die Position für den Kopf haben mich sonst immer beruhigt. Im Arm einzuschlafen, ist wirklich eine Zärtlichkeit, die sehr viel Geborgenheit vermittelt.

Die Nacht war jetzt nicht die erholsamste, aber geschlafen habe ich dennoch. Aufgewacht mit Nacken und Rückenverspannung, habe ich den Versuch unternommen, den Tag zu überstehen und rückblickend ist es mir ok gelungen. Ich sitze in meinem Bett, die Sonne scheint durch das Blattwerk der Pappel vor meinem Fenster und ich bin hin und hergerissen zwischen Müdigkeit und Tatkraft. Man könnte rausgehen, die Sonne genießen, ein Eis essen, draußen lesen oder aber musizieren, drinnen lesen und die neue Nähmaschine erkunden. Ich bin einfach zu müde.

Links wabert der Geruch von Lavendel in feinen Stößen zu mir rüber und rechts mein Kissen, dass nach Felix riecht. Jetzt, wo er weg ist, vermisse ich ihn. Er fehlt mir ungemein und das umso stärker, je länger er weg ist. 

Jölle wollte natürlich direkt wissen, wie der Tag war und alle Details und so weiter. Ich hab selbstverständlich berichtet. Auch, dass er mich bei der Verabschiedung fragte, ob er denn auch einen richtigen Kuss bekäme. Dann spürte ich mich, wie mein Gesicht sich in Skepsis und Unsicherheit anschrägte und ich seine warme Lippen nach einem OK küsste. Und dann nochmal, aus freien Stücken und weil es so schön war und weil einfach.

Danach trottete ich etwas verpeilt heim. Seitdem vermiss‘ ich ihn, immer mehr. Er fehlt mir. Und wenn ich seinen Körperduft rieche oder seinen Schweiß in der Bettwäsche, wünschte ich, er wäre nur gegangen, um bald wieder zurückzukehren. 

Tja, so ist das eben. Jedenfalls beschwerte ich mich wohl, dass mein indifferentes Gefühl und latente Enttäuschung auch daher rühren, dass ich denke, er würde nicht genug machen für uns. Dann fragt Jölle mich, was ich denn machen würde. Und mir fiel ein … nichts. Wow.

Das gab mir dann etwas zu denken. 

Während ich hier im Bett liege und noch überlege, was ich jetzt am besten unternehmen könnte (Yoga?), hab‘ ich noch einen Artikel über Incels (Involuntary Celibates) ausstehen, mir wurde nämlich gerade aus dem Freundeskreis ein solcher Artikel geteilt. Merkwürdiges Phänomen.

Interessant jedoch in einer gesellschaftlichen Gegenwart, in der Frauen sich Eizellen einfrieren lassen. Es sieht so aus, als würde der französische Staat dies demnächst befürworten, dass generell die Hürden für künstliche Befruchtungen abgesenkt werden und die Krankenkassen das Ganze bezuschussen. In so einem Klima scheint sich der männerseitige Hass gegen Frauen zu radikalisieren. Wie eigentlich alles andere auch – Radikalisierung ist der Trend.

Eine solche Bewegung von Frauen ist mir bisher noch nicht begegnet. Mir ist jedoch eine Verachtung von Frauen gegen Männern begegnet und ich kann mir vorstellen, dass auch diese Erscheinung weiter ins Bewusstsein kehrt und auch eine Ausprägung in Taten und Handlungen findet.

In unterschiedlichen Büchern, sei es nun im Werk Bert Heilingers oder aber in der populären Selbsthilfe-Literatur wie bei Liebe dich selbst und es ist egal, wen du heiratest, wird auf das Phänomen eingegangen, dass gesellschaftshistorisch bedingt durch starke patriarchale Strukturen Frauen im Kern oftmals tief eine Art von Verachtung gegen Männer in sich trügen. Diese Form von Verachtung läge auch in erlebten Enttäuschungen durch männliche Bezugspersonen, natürlich unter Zugrundelegung bestimmter definierbarer Erwartungen. 

Dass Frauen durch geschaffene Infrastrukturen wie in Frankreich, Dänemark und den Niederlanden dazu empowert werden, neue Modelle zu erwägen und sich Kinder machen zu lassen. Auch die Möglichkeit, dies außerhalb einer Heterobeziehung und Langzeitpartnerschaft zu tun, halte ich für folgerichtig. Es ist ein Paradigmenwechsel und auf der Seite des männlichen Geschlechts führt es ohne Frage zu mehr Druck. Gleichzeitig ist es eine Möglichkeit und eine Chance, denn wir wissen nicht, wohin es führen kann.

Schließlich gibt es auch heute noch matriarchalisch geprägte Gesellschaften, die laufen auch nicht schlecht.

Jedenfalls diese Incels, ne? Ich guck‘ mal. Für heute schließe ich nun mein Herz. Ich werde auf jeden Fall folgendes tun:

Rausgehen.

Und dann schlafen.

Ciao amigos 

Der verdächtige Vater im Café

01.August.20

Ich bin mit Alina im Café, es ist gegen Mittag und wir haben gefrühstückt und Konzepte und Erfahrungen mit Themen wie Homeoffice und Digital Working ausgetauscht.

Im Café ist coronabedingt etwas weniger los, aber ein Paar scheint mit einer netten, überschaubaren Hochzeitsgesellschaft zu brunchen und der Brautvater steht immer wieder sehr stolz auf, um Bilder zu machen. Daneben zeigen sich Gäste ihre Schuhe, andere unterhalten sich engagiert, andere schauen durch die Gegend und lassen den Blick schweifen. Wer kennt das nicht aus ähnlichen Gelegenheiten.

Alina ist über das Wochenende zu Besuch, das ist ganz wunderbar, genauso wunderbar wie die Tatsache, dass sie Teil meiner Familie ist. Alina ist mit meinem Bruder verheiratet.

Vorhin ist in das Café ein Mädchen mit ihrem Vater reingekommen. Sie sitzen nun am Tisch neben uns. Als sie sich mit ihren Masken (MundNasenSchutz) auf uns zu bewegen, beschleicht mich ein ganz übles, heißes Gefühl.

Der Mann ist mit einer blauen Chino, einem weißen T-Shirt und, weißen Sneakers sehr casual gekleidet; modisch passt das zu der ebenfalls in blau-weiß und sportlich gekleideten etwa 7-/8-jährigen, blonden, langhaarigen Tochter. 

Irgendwie hat den Mann etwas verdächtig gemacht und ich hab ein sehr drängendes Bedürfnis zu verstehen und mich zu vergewissern, dass die beiden auch moralisch, richtig und in echt zusammen gehören. Aus Gesprächsfetzen weiß ich nun, dass es Tochter und Vater sind. Das Kind hat auch von der Bekleidung her etwas schon frauliches und der Vater ist sehr metrosexuell von der Stimme und der Gestik her – naja, er erinnert mich an meine schwulen Freunde, bei denen die sexuelle Identität sehr offen ausgelebt wird. Er hält den Blick gesenkt, die Körpersprache verschränkt. Es sind zu viele Erzählungen über Kindesmissbrauch im Umlauf und er sieht einfach sehr clean aus, fast zu clean. Er könnte in einem klassischen Werbefilm mitmachen, so clean-adrett und gepflegt …

Naja, ich hab ihm vorhin bereits einen sehr bösen Blick zu geworfen. Ich hoffe, das reicht erstmal. Er sei gewarnt, wir haben ihn im Blick.

Ok, ich hab mich wieder beruhigt. Alina und ich haben uns an den Zeitschriften bedient und lesen und schreiben. Ich finde Lesen und Schreiben im Café ganz groß. Es ist eine spannende Konzentrationsübung, die Geräusche um einen herum auszublenden und sich zu fokussieren. Dabei werde ich mit der Zeit ganz ruhig und bin weniger abgelenkt als zu Hause; jetzt schreibe ich natürlich nicht ständig im Café – eigentlich auch eher nicht. Aber ich sag‘ ja nur.

Aus der Unterhaltung zuvor mit Alina über Homeoffice haben wir versucht uns vorzustellen, wie Arbeitsmodelle der Zukunft aussehen könnten. Klar ist natürlich, dass bei so Wissensberufen es wenig wichtig ist, wo man sie ausübt, zumindest für einen beträchtlichen Teil. Ich selbst bevorzuge das gut gemischte Modell. Man muss nicht für alle Aufgaben im Büro sein, aber für die Motivation und Dynamik, für Kommunikation und Netzwerken und für direkten menschlichen Kontakt, ist das Officeoffice essentiell. Es gibt auf der anderen Seite Aufgaben oder Tagesstrukturen, die sich zu Hause genauso gut und wenn nicht besser bewältigen lassen. Zuhausearbeiten nimmt einen Teil des Pendlerstresses weg, macht Wege obsolet und der Kaffee zu Hause schmeckt wirklich viel besser als auf der Arbeit. Vor allem aber für kreatives Nachdenken oder für das Arbeiten an Excellisten oder für Lösungssuche ist Homeoffice besser geeignet. Nur oder überwiegend – Homeoffice führt dazu, dass die Motivation nach einer Weile sinkt. Bin ich pauschal überzeugt von.

Übrigens, ich hab vorhin nochmals nach rechts geschaut, ich glaub‘, es ging zwischen dem Vater-Tochter-Pärchen um Arbeit und Müdesein und Rituale, da hab‘ ich schnell rüber geblickt und konnte ihm in die Augen sehen. Er hat helle Augen und einen sehr undurchsichtigen, gesenkten Blick – aber kennt ihr Menschen mit undurchsichtigen Augen? Ich finde seinen Blick nicht ehrlich. Deswegen halte ich ihn für hochverdächtig. Es ist, als schaue man in diese Augen und stößt dabei auf einen grauen Schleier, einem festen materialisiertem Nebel.

Ich muss schon selber grinsen über meine Gedanken. Es ist schließlich nicht so, dass ich überall Kindesmissbrauch oder verdächtige Väter wittere. Aber das Gesamtbild wirkte unharmonisch, unvertraut und ich musste mich zum Schutz des Kindes doch vergewissern? Ich sehe schon, die Medienberichterstattung hinterlässt ihre Spuren. Ja, man kann Gedanken steuern und man kann sich auch in Ideen reinsteigern, aber ich finde es doch krass, dass durch und über Geschichten im Kopf Wirklichkeiten entstehen können. Und wie schnell!

Gerade bei solchen Themen. Stellt euch doch mal vor, ich würde meine Gedanken hier vor Ort aussprechen und publik machen, dann würden die meisten Menschen hier wahrscheinlich innerlich erstmal den Wahrheitsgehalt prüfen wollen.

Andere würden gar nichts prüfen, sondern möglicherweise dankbar an dieser neuen Wahrheit festhalten und sie annehmen. Bitte? So arbeiten Populisten unter anderem. Jedenfalls sehe ich hier schon, während ich meine Gedanken weiterspinne, vor meinem inneren Auge den Lynchmob sich in Bewegung setzen und zwinge mich dazu, diese Geschichte mit diesem Mann als fantastisch ruhen zu lassen. Das Kind macht auf mich einen aufgeweckten, selbstbewussten Eindruck. Wenn auch die Abläufe nicht selbstverständlich natürlich zu sein scheinen. Aus Gesprächsfetzen nehme ich an, sie lebt nicht bei ihm.

Alina hat sich nun einen Grapefruitsaft bestellt. Wir werden danach in Bälde das Café verlassen für einen kleinen Spaziergang.

Das wird gut tun und ich finde, wir sollten uns immer etwas Gutes tun. Alle.

Vor allem, wenn wir Nachwuchs erwarten – Kinder schützen und begleiten; 1 Leben lang.

Cu 

Abendessen alleine

30.Juli.20

Gestern und heute waren sehr ereignisreiche Tage. Jetzt ist es gleich 20 Uhr und ich hab einen Espresso auf dem Herd kochen, weil ich einfach hardcore k.o. bin.

Natürlich, wenn man viel macht und permanent unterwegs ist ermüdet das sicherlich, aber heute ist es auch noch außerordentlich warm. So ergibt sich die Müdigkeit aus den Umständen. Ich hab mich auf den Balkon gesetzt und neben Geschirrklappern und Kindergeplapper, nehme ich gerade Gerüche ausgesprochen intensiv wahr. Das kann mit meinem Zyklus zu tun haben. Ich behaupte dennoch, es liegt auf jeden Fall an meiner guten Nase.

Morgen sind Rekordtemperaturen angekündigt. Der Balkon und ein städtisches Schwimm- oder Freibad werden mein place to be sein.

Ich ärgere mich einwenig darüber, dass ich die gekaufte Hafermilch gestern bei meiner Mutter vergessen habe, so muss ich mit der weniger geschmackvollen, weniger cremigen auskommen. Bäh.

So, doppelter Espresso ist am Start und ein Glas Kranenberger auch. Eine angenehme Brise weht durch den Innenhof und umspielt sanft und freundlich Mensch, Pflanzen und Gegenstände. Leicht gefärbt ist dieser Hauch von Alltagsgerüchen; ein bisschen Essen, jemand hat gegrillt, ein frisches Duschgel, das Badfenster meiner Nachbarn unten links ist geöffnet und Sommer, es riecht nach leckerem verheissungsvollen Sommer. 

Übrigens voll der Supersommer, denn es gibt ja den Unterschied zwischen Sommer und Urlaub und Sommer und Sommer. Sommer und Urlaub, sind große Ferien, große Freizeit, lange Freiheit; gleich wie Sommerurlaub, nur anders. Anders, weil man als Studierende oder Schülerin weniger Last und Verpflichtung trägt (das ist natürlich abstrakt relativ) aber auch anders anders, weil man als Erwachsener in den meisten Fällen mehr weiterreichende finanzielle Möglichkeiten hat, was wiederum zu mehr Freiheit oder Möglichkeit führt.

Sommer und Sommer, ist wenn Alltag ist, aber es ist unerträglich heiss. Sommer und Sommer ist auch, wenn man auf seinen Urlaubsanspruch zurückgreift und nicht arbeitet. Man kann zuhause bleiben oder wegfahren. Aber der lange Schatten der Arbeitspflicht ist immer sichtbar, vor allem bei mobiler Erreichbarkeit. Es stellt sich aber kein Freiheitsgefühl mehr ein, es müssen Wärme, Wasser, Wind gutes Essen, langes Schlafen ausreichen.

So oder so, ich mag den Sommer gerne. 

Übrigens, bevor ich mich mit dem Kaffee hier raus gesetzt habe, freute ich mich zunächst wegen des tollen Tags und Wetters auf eine leckere Weißweinschorle auf dem Balkon. Dann fiel mir ein, dass ich ja gar keinen Alkohol mehr trinke und deswegen auch keinen gescheiten mehr habe, weil Elsi den Auftrag hatte, die noch vorhandenen Bestände aktiv abzubauen. So haben wir gerade 2 Flaschen Rotwein, unterschiedliche Liköre und Wodka in der Wohnung, sonst eben Wasser, Tee und Kaffeepulver. Es gibt allerdings noch eine Flasche Lillet, ich müsste mir um diesen zu geniessen, meinen Mut zusammennehmen und runter zum Kiosk gehen und mir ein Softgetränk dazu besorgen. Allerdings trinke ich ja nun eine ganze Weile eigentlich schon keinen Alkohol und gestern in meinem YouTube Feed wurde mir das Video eines älteren Rastafaris empfohlen, der absoluten Alkoholverzicht predigte. Er war alt und sah fit und gesund aus. 

Wenn ich alt bin, will ich auch eine Hochleistungsleber haben, daher wenn’s nicht sein muss, dann nicht – bleib ich eben bei Wasser. Ich hab Zitrone im Kühlschrank, es ist also ein Wasser mit Geschmack drin. So machen wir’s. Den doppelten Espresso mag ich jetzt ohnehin nicht mehr trinken, weil die Hafermilch hässliche Wolken in meinem Glas bildet und auch vom Geschmack bin ich wenig überzeugt. So wird unser Abendgetränk heute Kranenberger mit einem Schuss Zitrone bleiben, reicht ja.

Bevor ich über das Getränk nachdachte, ah genau. 

Ich hab davor zu Abendgegessen. Ich kam demnach gegen 18 Uhr heim–nach der Arbeit, ziemlich k.o. und hatte nichts anderes im Sinn als leckere Nahrung zu mir zu nehmen. Der Appetit war groß und die Lust zu kochen spiegelbildlich klein und so entschied ich mich, nach gründlicher Evaluation des Kühlschrankinhalts für eine leckere Antipasti-Platte. Champignons, Oliven, Artischocken, Streichcreme und etwas Brot. Prächtig angerichtet und mit einem Glas Wasser bewaffnet, hab ich mich an den Tisch gesetzt. Allein.

Und weil ich wirklich -0 Lust auf irgendwelche elektronischen Geräte hatte noch die Kraft und Energie verspürte etwas zu lesen, habe ich mich hingesetzt und mein Futter teilweise verschlungen und teilweise genussvoll häppchenweise in meinen Mund verschwinden lassen. Dabei fragte ich mich fast besorgt, wie das denn für Menschen sein muss, die alleine sind. Man spricht von einer großen Anzahl an Singlehaushalten in Deutschland, vorzugsweise im urbanen Raum. 

Alleine Essen ist einfach megaweird. Ich wohne immerhin zu zweit.

Bevor Elsi  inoffiziell zu ihrem neuen Boy gezogen ist, haben wir häufig zu zusammengegessen. Ansonsten habe ich sehr oft Besuch, mit dem ich dann zu Abend esse. Theoretisch würde ich bei Bedarf sogar mit meinen Nachbarn zu Abend essen, obwohl die immer nur Bier (Singles) und Wein (Pärchen) trinken möchten.

Da ich neben meiner Mitbewohnerin und dem stetigen Besuch auch regelmäßig bei Freunden und Geschwistern zu Abend esse oder bei meinen Eltern (eine gemeinsame Mahlzeit erscheint mir als nachgelagerter sehr pragmatisch sinnvoller Grund für einen Besuch durchaus nachvollziehbar) fällt mir das gar nicht auf, wenn ich wirklich ausnahmsweise mal alleine zu Abend esse, weil ich dann eben lese oder was gucke, wahlweise auf dem Handy oder auf einem anderen Abspielgerät. Aber wie traurig! 

Mir ist klar geworden, dass ich da eigentlich durch meine vielfältigen Auswahlmöglichkeiten sehr viel Glück habe. Die Einsamkeit würde mich fertigmachen. Früher hat man wahrscheinlich beim Essen ferngesehen. Find ich jetzt nicht sooo schlimm, aber ich schau ohnehin nicht gerne fern allein. Filme schau ich lieber mit lieben Menschen zusammen.

Mich hat diese Erkenntnis und das Erlebnis des allein zu Abendessens sehr traurig gemacht. So viele Menschen um uns herum und so viele, die ganz sicher unfreiwillig allein zu Abendessen. Gilt natürlich auch fürs Mittagessen, aber da geht ein Großteil der Erwachsenen oder Menschen an sich einer gesellschaftlich relevanten Beschäftigung nach. Aber ja, sind Mahlzeiten nicht aus der Menschheitsgeschichte heraus, schon immer in Gemeinschaft eingenommen worden? So fühlt es sich zumindest an. 

Ich bin übrigens nun weniger k.o. und das ganz ohne Espresso. Ich könnte einen kleinen Spaziergang machen, ist ja schliesslich superschön draußen. Vielleicht bleibe ich einfach hier sitzen und lausche den Vögeln, dem klimpernden Geschirr und den Menschen in ihren Wohnungen, in denen sie aus dem Vorabend Abend machen.

ciao amigos

Anekdötchen aus dem Büro

29.Juli.20

Vor einer halben Stunde bin ich im Büro angekommen.

Folgende Beobachtungen habe ich gemacht: Meine selbstgezüchtete Pflanze ist vor lauter Homeoffice abgeknickt. Ich bin aber zuversichtlich, dass sie sich in der Knickform weiterentwickeln und wieder zu wahrer Schönheit und Größe kommen wird. Wachsen oder sterben, am besten aus eigener Kraft. Ihrer Vorgängerin habe ich irgendwann Bambusstäbe als Halt angeboten, aber die wachsen nicht mit. Und es gelang mir nicht mehr, immer größere Bambusstäbe zu besorgen. Schließlich kamen die Trauerfliegen. Als sie den gesamten Büroflur bevölkerten, stellte ich sämtliche Rettungsmassnahmen ein und wurde sie los. Zurück blieb ein Ableger, eine Ablegerin, meine neue Pflanze.

Heute wird im Gegensatz zu gestern ein entspannter Tag mit wenig Terminen. Wenn ich also Glück habe, komme ich auch dazu etwas wegzuarbeiten. Das wird mich sehr zufrieden machen.

Und dann ist mir was passiert, das mir so häufig passiert: Ich komme auf das Gelände, fahre mit dem Aufzug hoch, begrüße zwei Kollegen (sie lächeln mich an und freuen sich darüber, wie glücklich und entspannt ich aussehe und das fänden sie super und toll und Sonnenschein) dann laufe ich auf meinen Flur und wieder Personen, die mir begegnen mit: „Ah, Hallo! Schön dich zu sehen! Ah, wie schön du immer strahlst“.

Ich finde das irgendwie komisch, also in dieser einen halben Stunden waren es 6 Komplimente von 5 Menschen, denen ich begegnet bin. Das ist insbesondere deswegen interessant, weil es ja auch nicht jeder sagt. Meist halten sich die Menschen mit Komplimenten ja eher zurück. Ich möchte jetzt kein Loblied auf mich singen, aber ich finde die  Beobachtung mega interessant und frage mich, woran das liegt. Ich habe nichts Besonderes an (olle, aber solide schwarze Jeans, weisses T-Shirt, darüber einen blauen sehr lockeren Pulli, kurzer Bob und that’s it). Aber vllt. eben schon, vllt. ist das Besondere, was ich anhab ein Lächeln und eine Entspanntheit – mit Worten von Schlaumeiern und treffend galant in der Anwendung der deutschen Sprache, die Ausstrahlung.

Ich frag mich, wo diese beiden Stücke im Kleiderschrank hängen, also das Lächeln und die Entspanntheit. Oft sind sie nicht auffindbar im Schrank, sie verstecken sich dann bestimmt hinter Kleidung, die ich einfach an dem Tag nicht anziehen möchte. Manchmal verstecken sie sich sogar verdammt gut!

Die letzte Beobachtung bevor ich zum nächsten Termin hechte und diese Schreibarbeit hier niederlege: Tippen auf einer externen altmodischen Tastatur hat seinen Reiz und ist vor allem nicht so geräuschintensiv.

ciao amigos

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