Ein ruhiger Aufbruch

03.April.21

Die Zeit vergeht und Dinge passieren.

Continuum.

Moralisierend das Drumherum, richtig – falsch, solidarisch – un-, fair – nicht.

Der Frühling ist fast da, er kommt mit großen Schritten. Sonnenstrahlen in alle lichtdurchfluteten Räume hinein, frische Luft im lauen Wind draussen. Das Blühen im vollen Gange bringt Pollen mit und lässt die Augen und Herzen aller Floralästheten leuchten. 

Die Sinne bekommen was Neues zu tun. Trägheit und Schwere der dunklen Jahreszeit können abgelegt werden.

Was wird passieren? Was hat das Jahr noch so mit uns vor?

Das erste Quartal, beinah die erste Jahreszeit ist nun um, verbracht im Kokon  der Pandemie. Eingehüllt zwischen Regeln und Massnahmen, Ängsten und Hoffnungen. Verdammt zum Warten.

Manchmal denke ich, dass diese Warterei eigentlich gar keine ist. Sicherlich können wir jetzt nur limitiert Menschen treffen und es gibt auch viele Realitäten mit echten Impact. Ist es im Grunde nicht so, dass wir beraubt sind von all dem, was uns normalerweise ablenkt?

Unterhaltung, Ausgehen, Kino, Urlaub, Parties – soziale Interaktion ist wichtig für unsere Gesundheit. Ketzerisch behauptet.

Oder auch nicht.

Jedenfalls haben der Pastor und das Domradio Ostern als Neustart beschworen. Diesen Betrachtungswinkel hab ich bisher noch gar nicht einnehmen dürfen. Das ist toll. Denn Silvester und Neujahr nach dem römischen Kalender haben gar nichts Neues gebracht. Alles blieb im Grunde, wie es war.

Die letzten Monate waren zäh und unbehäbig, schwerfällig und lästig. Tunnel. Tunnel mit Licht am Ende. Aber das Licht ist eine Fata Morgana und man weiss es schon.

Doch nun kommt der Frühling. Hoffentlich bleibt er lange. Und beglückt uns mit trotzender Kraft und Schönheit. Und steckt uns an mit Glück, Mut, Hoffnung und Energie.

Ciao amigos 

2 Kommentare zu „Ein ruhiger Aufbruch

  1. ‚Ist es im Grunde nicht so, dass wir beraubt sind von all dem, was uns normalerweise ablenkt?‘ – das ist ein Gedanke, der mir seit ein paar Monaten auch im Kopf herumschwirrt. Motiviert durch das Buch Traumfänger von Marlo Morgan, dass ich nach viel zu langer Zeit im letzten Winter wieder mal bei einem heißen Tee in die Hände nahm. Auf den Punkt gebracht erzählt es eine Geschichte von Entschleunigung und Einklang mit der Natur. Zwei Dinge, die wir als Kinder der modernen Industriekultur nicht mehr begreifen können. So sehen wir auch jetzt die Auflagen und Maßnahmen als ‚Raub‘ an, weil wir längst verlernt haben darin die Chance zu erkennen, die Chance sich auf das Leben zu besinnen, fernab von all den Ablenkungen, die sich so in unser Leben integriert haben, dass wir sie als solche nicht mehr erkennen.
    Der Süchtige sagt, er sei nicht abhängig, doch der Abhängige erkennt seine Sucht und lernt mit dieser umzugehen. Wir sind alle Abhängige und die Süchte des 21. Jahrhunderts in Westeuropa sind so vielschichtig und so gut vermarktet, dass wir diese gar nicht mehr von den Realitäten unterscheiden können.

    Ich teile hier nur meine unqualifizierten Gedanken mit dir, ich bin nicht studiert in diesen Bereichen 🙂

    Beraubt fühlen sich die Menschen nur, weil sie nicht mehr wissen, wie es ist zu leben ohne all diese Ablenkung – ein Phänomen der Konsumgesellschaft in Westeuropa, willkommen zu meiner These.

    Gefällt 1 Person

    1. vielen Dank für deinen schönen Kommentar – ich muss gestehen, es fiel mir nicht leicht diesen Gedanken aufzuschreiben. Bei all den primären, augenscheinlichen und wirtschaftlichen Verlusten Vieler, ist die Balance gar nicht so leicht finden im schriftlichen Ausdruck. Das subjektive Empfinden eines Mangelzustands ist für (diese) Menschen wahre, subjektiv wahrgenommene Wirklichkeit. Somit mutet unsere, diese Erkenntnis fast ketzerisch an. Daher freue ich mich umso mehr, wenn du auch die Schicht drunter siehst und das so verstehst.

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