Angst und Stress – Teil 1

2.Februar.21

Es ist 5 Uhr morgens. Ich sitze im Bett, Kissen am Rücken, Lieblingsposition, aber nach fast einem Jahr Corona und Nackenschmerzen, hat so ein Schreibtischplatz im Büro schon seinen Reiz. Jedenfalls ist es eine kurze Nacht. Etwa gegen halb 2 bin ich eingeschlafen. Glücklicherweise straft mich mein Herz gerade nicht mit intensivem Pumpen.

Es schlägt ruhig, ich atme tief ein und aus. Sehr bewusst.

Der Grund, warum ich wach bin, ist Angst. Gestern habe ich mich vor dem Schlafengehen mit Ängsten beschäftigt und wollte sie nachfühlen.

Ich beabsichtigte, mich in jemanden einzufühlen, eine Situation nachfühlen; sie mir besser vorstellen.

Ich frage mich, was mir denn Angst machte.

Ich stelle mir eine Situation im Schwimmbad vor.

Es kommt schließlich zu meiner größten Angst, der Angst vor dem Ersticken/Ertrinken. Tatsächlich stellen sich beim Gedanken daran unmittelbar ein:

Steigender Puls.

  • Unruhe. 
  • Mein Körper erstarrt.
  • Stress. 
  • Ungeordnete Gedanken.
  • Erinnerungen an mich in Schwimmbädern.
  • Und ich rieche sogar ein bisschen Chlor.

Das kam direkt und ging leider auch nicht mehr so schnell weg. Ich horchte in mich rein, mein Herz schlug, aber es war nicht dieses beunruhigende Schlagen. Es war nicht materialisierend-klopfend, so wie man vielleicht das Herzklopfen sonst von Zeichnungen kennt. 

Angst kann sich unterschiedlich anfühlen. Subtil, wie etwas Steuerndes, eine unsichtbare Handlungsanweisung, ganz so, als stünde ein gefühlskalter Dirigent mit Harry Potters Unsichtbarkeitsumhang vor mir und diktiere, was zu tun sei. Aber die Angst und Panik, welche ich vor einigen Tagen verspürt hab’, war anders. Diese Angst war ganz offensichtlich pures Gift. Und man konnte spüren, wie es sich im Körper verbreitete, aus inneren Poren und Drüsen rausschoss und sich unmittelbar auswirkte. 

Es genügt ein Gedanke, ein Trigger und schon ist man in der Situation. Eine selbsterschaffte Situation. Ich bin nicht irgendwo hingegangen, ich lag am gleichen Ort, an welchem es mir noch vor Sekunden ausgezeichnet ging und dann ganz plötzlich nicht mehr. Alles passiert im Kopf.

Die Angst, die so stark und gewaltig daher kommt, macht auf jeden Fall körperlich etwas; konzentriert die Aufmerksamkeit, beeinflusst die Atmung. Aber sie hemmt dich, du kannst dich auf nichts anderes mehr einlassen, es ist der reine Überlebensmodus. Wenn ich mir vorstelle, dass es Menschen gibt, die diese Art von Angst regelmäßig oder gar permanent spüren, verstehe ich, dass sie maximal belastend sein muss.

Nach der Angst kommt bei mir nach einiger Zeit die Erschöpfung. Auch eine Erschöpfung, wie ich sie bislang nicht kenne. Ich war einfach ausgelaugt, 72 Stunden Adrenalin-High-Level gehen nicht spurlos an mir vorbei.

Mit Schwimmbädern ist es bei mir so:

Der Geruch von Chlor triggert mich nicht mehr. 

Früher hat alleine das mir schon heftige Angst gemacht. Das Bedürfnis mich vorher komplett zu entleeren, verwirklichte sich stets. Dann die Fahrten mit dem Schulbus zum Schulschwimmen: Je näher das Schwimmbad rückte, umso größer wurde die Angst.

Wovor habe ich eigentlich Angst? Zu versagen. Ich vertraue meinen Fähigkeiten nicht, mich selbst in jedmöglicher Situation alleine über Wasser zu halten. Als Resultat eines Badeunfalls im Kindesalter. Dabei sieht es von außen betrachtet technisch wohl ausgezeichnet aus. Aber zuvor muss die Angst überwunden werden, das gelingt mir mal besser, mal schlechter. Insgesamt mache ich deutliche Fortschritte. Die einzelnen Schritte sind jedoch sehr klein und sehr hart erkämpft. Ich gebe mich nicht geschlagen.

Und jetzt – kurze Atemmedition für den Tag.

Ciao Amigos

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