Selbstgespräche im Homeoffice

03.November.20 

Wir hängen wieder im Homeoffice. Zuhause bleiben ist auf Dauer ermüdend.

Wir, das sind ich und ich. Manchmal nehme ich das so wahr, schliesslich kann ich ja auch mit mir selbst reden.

Selbstgespräche haben sich schon mein Leben lang als sehr unterhaltsam erwiesen. Früher stand ich beim Zähneputzen vor dem Spiegel, entwickelte abstruse Gedanken und lachte mich selbst scheckig über meine eigenen Vorstellungen.

Und das war nicht bloss ein nettes Lächeln, nein, manchmal eskalierte es sogar soweit, dass ich hinterher Bauchweh hatte. Und dann ermahne ich mich immer wieder dazu, meinem Gebaren Einhalt zu gebieten. Es reicht jetzt! Ist genug! Etwa beim exzessiven Grübeln, dann muss ich es mir selber laut sagen.

Lachen ist Balsam für die Seele. Dabei handelt es sich zwar um eine Binsenwahrheit, aber man kann es trotzdem nochmal schreiben. Ich war in den vergangenen Tagen so lost in meinem Kopf. Etwas durcheinander, angestrengt von mir selbst und etwas ratlos. Allerdings gab es keine offenen Fragen. Nur sehr viel, was passiert. Wahlen, Anschläge, Corona. So für einen Tag kann das schon eine Menge sein und schön sind diese Themen ohnehin nicht. Da kam es mir recht gelegen, dass Jölle sich gestern mit einem unverschämten Spruch gemeldet hat. Ich rief sie daraufhin an. Für die nächsten 3 Stunden. Und was haben wir gelacht. Ausschließlich über Blödsinn. Lachen ist Balsam für die Seele. Plötzlich wusste ich wieder, was geht und wer ich bin und fühlte meinen inneren Kompass neu ausgerichtet.

Übrigens, ich hab öfter von Menschen gehört, es sei auch ein ziemlicher Luxus, Homeoffice machen zu dürfen und es gab Unverständnis darüber, dass im Homeoffice Arbeitende sich ab und an beschweren über das Homeoffice. Es hat seine Vorteile, aber es hat auch Nachteile und beide Seiten hätten schwerpunktmäßig etwas mit der Tätigkeit und der Persönlichkeit und Arbeitsweise des Betroffenen zu tun. Für mich sind die Tage im Büro super, aber ich schätze auch die Möglichkeit auf den Arbeitsweg verzichten zu können. Bei diesem Gedanken wollte ich auf den Punkt hinaus, dass man wahrscheinlich den Neid auf die Möglichkeit des Homeoffice-Arbeitens erst dann ablegen können wird, wenn man selbst diese Möglichkeit hat(te). 

Und so ist es wahrscheinlich mit vielen Lebensaspekten; Dinge, die man nicht kennt oder mit denen man keine Erfahrung hat, kann man kaum beurteilen. Man kann lediglich seine Ahnung und Vorstellung davon teilen. Erst in der Situation selbst entwickelt sich eine Erfahrung, die aber dann wiederum nur subjektiv limitiert ist.

Wenn man aber dann auch noch Freunde hat oder andere Gleichgesinnte mit ähnlichen Erfahrungen, dann kann die Erfahrungen in Teilen intersubjektiv werden. Aber es wird niemals objektiv. Deswegen ist es fast unmöglich bestimmte Handlungsmotivationen anderer Menschen nachvollziehen zu können und mittlerweile versuche ich mich deswegen aktiv darin nicht mehr zu urteilen.

Urteile und Einordnungen helfen uns, uns in dieser Welt zurechtzufinden, oft aber auch nicht und man kann es wirklich übertreiben. Es ist eine spannende Übung, die Dinge, Situationen, Menschen einfach sein zu lassen. Gewähren zu lassen. Aktiv.

Wie komm ich nun überhaupt darauf? Ich glaub, ich erwische mich oft dabei, meine Gedanken auszusprechen – für mich – für andere. Und meine Zunge ist so schnell. In etwa so schnell wie wenn Lucky Luke seine Pistole aus dem Halfter zieht. Superschnell, ich komme manchmal mit meinem Bewusstsein gar nicht hinterher. Ich merke dann hinterher erst, was ich gesagt hab.

Bisweilen recht impulsiv. Impulskontrolle – noch so ein Wort, für den Psychologen fast schon ein Trigger, um postwendend einen pathologischen Befund zu notieren. Das ist noch normal bei mir – sag ich mal so.

Selbstgespräche kann mal im Kopf oder selbstverständlich auch lautsprachlich führen. Ich frag mich gerade, ob gebärdende Menschen auch manchmal ein Selbstgespräch führen oder zumindest unterbewusst dazu ansetzen. So wie man bspw. sauer wäre und die Faust in der Taschen ballen würde oder so. Wenn ich spazieren bin und mich in Gedanken verliere, dann muss ich oft auch lächeln.

Wir wissen ja auch dank der heutigen Wissenschaft, dass Freundlichkeit gespiegelt zum Zurücklächeln führt. Oder habt ihr schonmal ein richtig lustiges Buch gelesen (sagen wir mal als Kind und sagen wir mal das Sams) und dann richtig laut lachen müssen? Da kann ich nicht in mich reinlachen, das muss raus. Aber funktioniert das eigentlich nur, wenn es echt ist? Ist es nicht so, dass wir gespieltes Lächeln identifizieren und als kälter wahrnehmen können? Ich spreche jetzt nicht von einem kalten, bösen Lächeln. Aber wenn jemand zum Beispiel unauthentisch, unehrlich lächelt, nicht aus Freude, Beschämung, guten Gedanken oder weils einfach lustig ist. Nehmen wir das im Normalfall wahr oder gelingt es den meisten Menschen, es als opportunistisches, manipulatives Lächeln zu identifizieren.

Ich mag Gesichtsbeobachtungen und bei dem opportunistischen Lächeln musste ich grad an meinen Vater denken. Möchte ich mit meinem Vater ein Selfie machen, dann spielt er natürlich sein Lächeln. Und weil ich keine professionelle Bitte-Lächeln-Animatrice bin, mache ich ihn darauf aufmerksam in etwa mit: Papa, lach doch mal.

Heraus kommt eine völlig überzogene Lächelgrimasse – sehr künstlich und die Situation löst sich meist darin auf, dass wir uns über das Ergebnis amüsieren.

Neulich ist mir im Homeoffice Folgendes passiert: Ich hatte ein Gespräch bei Teams. Es war vorbei, aber ich hab den virtuellen Raum nicht verlassen. Dann hab ich mit mir selbst gesprochen, E-Mails kommentiert, etwas wirres Zeug, bin durch die Wohnung gelaufen und hab dann erst festgestellt, dass ich noch im Raum war. Zum Glück keiner sonst ausser mir. Aber umgekehrt habe ich oft noch Kollegen nach dem Call unfreiwillig vernommen. Beim rumräumen, eine rauchen oder sonst was. Das kann lustig sein, aber irgendwie war das mit Skype anders. Da merkt und reagiert man eher, wenn das Gespräch beendet ist. 

Ich warte nur darauf, dass man das Abmelden vergisst und es zu einer komischen Situation kommt. Ein Kandidat dafür wäre ich mit meinen Selbstgesprächen allemal. Ich würde es einfach Weglachen – schliesslich ist Lachen Balsam für die Seele.

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