Samstagsblues und Coronatestnachspiel

26.September.20

Disclaimer: Sloborn Spoiler 

Was geht überhaupt mit Felix? Lange nichts mehr gehört, woll?

Er fand so nebenbei statt, immerhin war ich jetzt auch fast den ganzen September unterwegs und das ohne ihn. Da war nicht viel Platz für große Dramen. Hätte ich aber schreiben wollen, so hätte es in den vergangenen Wochen durchweg geheißen: „Er ist wahnsinnig toll und ich vermisse ihn und eigentlich ist es super zwischen uns“. 

Ist ja auch so, nur halt mit etwa 700 km dazwischen. Luftlinie etwas weniger. Zuletzt hab ich gestern mit ihm gesprochen. 

Kennt ihr das, wenn ihr jemanden explizit nach Rat fragt? Es gibt Menschen, die würde ich eher für Belange des Aussehens oder des Spasses nachfragen. Ganz entsprechend der Frage, wem man welche Kompetenz zuspricht. Und bei Fragen bzgl. des Jobs, muss ich zugeben, ist Felix einfach der beste Ratgeber. Auch generell schätze ich seinen Rat sehr, denn immer dann wenn ich nicht weiter weiss, findet er die Worte die mich überzeugen, begeistern und beflügeln.

Und ich bin echt nicht leicht zu begeistern. Das treibt die oder den einen oder anderen ab und an zur Weissglut. Früher dachte ich das läge an meiner Nüchternheit und ausgeprägten Skepsis und einem Hang zur Perfektion.

Heute nehme ich an, dass mich einfach die meisten Dinge nicht begeistern. Es kommt drauf an, was denn diese Freude und Inspiration auslöst und auch entscheidend der Zeitpunkt und sonstiger Kontext.

Gerade sitze ich im Bett und trinke einen Morgentee. Ich geniess es für den Moment keine Verpflichtungen zu haben. Draussen tröpfelt der Regen auf die Strasse, mein Fenster ist voll von abgeprallten und antrocknenden Regentropfen. Das Geräusch, wenn Autos über nasse Strassen fahren, mit etwa 30 kmh. Meine Mutter hat sich für einen Besuch angemeldet und ich bin nicht begeistert. Noch kranke ich weiterhin umher. Es ist frisch geworden draussen und meine Nase läuft noch immer, meine Stimme ist sehr belegt. Von fit bin ich weit entfernt. Im Gegenteil, gestern hab ich eine neue Serie auf ZDF-Neo gestartet Sloborn,eine Insel in Schleswig-Holstein oder Dänemark und alle kriegen einen tödlichen Virus. Bisher empfehlenswert, aber sowohl die Bilder als auch die Storyline machen mich nicht gerade gesünder.

An dem Film fällt mir gerade auf, dass sowohl einige der bösen Knastis als auch die Prostituierte in der Dorfkaschemme PoC sind. Sonst keiner. Das ist arm, verzerrend und verdient zumindest einen Call-out. Ansonsten lässt er sich anschauen. 

Ich freue mich andererseits sehr, dass meine Mama kommt. Es ist immer schön mit ihr. Sie erzählt toll, wir können schön abhängen und es gibt leckeres Essen. Essen von Mama ist mehr als nur Essen, selbst wenn es top gesund ist. Ich verspreche mir davon einen Boost für mein Mikrobiom, Mamas Essen macht gesund.

Bei dem Wort Mama denke ich auch an vergangene Unterhaltungen mit meinen Freundinnen. Der Konsens war stets, dass wir es extrem abtörnend fanden, wenn der Partner in Abwesenheit seiner eigenen Mutter von Mama spricht. Das schien so unmännlich, so abhängig, so wenig erwachsen auch. Aber bei uns Mädels war das ok. Im Nachhinein weiss ich nicht mehr so recht, wie ich drüber denken soll. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es aus einer Muttersicht ist, aber ich dachte gerade, dass die Bewertung und dieses Urteil, welches wir damals einfach aus einem Gefühl der Überzeugung heraus gesagt haben, allgemein einfach nicht fair ist. Jeder sollte Mama zu seiner Mutter sagen dürfen.

Apropos krank und gesund. Ich hab vor 6 Tagen präventiv einen Coronatest gemacht als ich auf der Höhe meiner Erkältung war. Ich erwähnte ja bereits, dass ich zuvor in einem Nichtrisikogebiet geurlaubt hab. Bis heute hat sich bei mir keiner gemeldet. Auch bei meiner Freundin nicht. Find ich schon krass. Wir haben im Schutzzentrum angerufen, beim Gesundheitsamt bei einem eigens dafür geschalteten Bürgertelefon und es gab einfach nichts.

Keine Rückmeldung, kein Testergebnis bis heute nicht. Find ich schon erstaunlich und wundere mich, was denn passiert, wenn die Erkältungszeit ihren Peak erreicht. 

Die Serie ist echt gut, zeichnet und überzeichnet wenig. So kann ein Worst-Case-Scenario aussehen und im Grunde haben wir gesamtgesellschaftlich bisher auch sehr viel Glück mit unserem Coronavirus gehabt. Andere Epi- und Pandemien haben örtlich zu größerem Schaden geführt, mit Bildern, die denen in der Serie ähneln.

Das ist wahrscheinlich auch einer der wenigen Filme, in denen ich Wotan Wilke Möhring in seiner Rolle wirklich ernst nehmen kann. Und auch die anderen SchauspielerInnen sind grandiose Mimen in diesem visionärem Stück aus dem vergangenen Jahr. Der Film hat im Genre den Zusatz Dystopie – etwas bitter im Geschmack, fühl ich mich doch in Anbetracht der täglichen Nachrichten und des Weltgeschehens, auch ohne Corona schon manchmal in einer Dystopie.

Es ist spät.

Ciao Amigos

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