Ein absurder Vorschlag

14.Juli.20 

Heute ist Dienstag und gestern hab‘ ich nicht all zu gut geschlafen, ich denke, ein bisschen zu kurz. Ich versuchte wirklich viel zu trinken, aber auch das gelang mir nur so semi. 

Am morgigen Mittwoch wollte ich meinen Vater besuchen und am Donnerstag treffe ich eine Freundin in der Innenstadt. So gestalten sich genau genommen viele meiner Wochen. Montags bin ich eher nicht gewillt, etwas zu unternehmen, es sei denn mit Menschen, die in meiner näheren Umgebung leben oder die mir so dermaßen nah sind, dass es manchmal keinen Unterschied macht, ob sie da sind oder nicht. Jedenfalls empfinde ich das nicht als anstrengend. 

Montag und Freitag sind dann meist die Tage, die ich mit mir selbst verbringe und während ich das so schreibe, merke ich, dass mir das zu wenig ist und ich noch mehr Zeit für mich benötige. Vielleicht nehme ich den Samstag dazu. Denn Montag und Sonntag lonesome ist vllt. ein bisschen viel auf einmal, aber den Samstag kann man gut dafür bestimmen. Heisst ja nicht, dass jeder Samstag nun heilig ist, aber er eignet sich eh gut für Sport und Erledigungen aller Art. Und zwischendrin innehalten und lesen und schreiben. 

Wegen Corona habe ich fast schon vergessen, dass das so war. Also vor Corona.

Also, mein Arbeitstag war ok, auf einer Skala von 1 – 10 so die 6,75; denn an sich war alles gut – keine doofen Meetings und das Essen in der Kantine ging heute sogar vegan. Aber das Wetter, schrecklich; drückend und dann hat es schön geregnet, aber mit einem schwülen Schleier, der alles nur schlimmer machte. Ich hab mich jedenfalls gefreut, als der Feierabend begann und mich gefreut daheim zu sein. Jetzt ist es 8 und ich könnte auf der Stelle einschlafen.

Gestern traf ich also abends meine Freundin Jölle. Wir haben uns auf die Wiese vor das Haus gelegt, an den Rhein und genüsslich auf einer Decke in der Sonne gechillt. 

Ich staune oft selbst darüber, wieviel wir uns so zu erzählen haben. Dann kommt man bei der Verabschiedung an der Tür nicht mehr voneinander los, weil man immer noch was sagen möchte, oder einem noch was Dringendes einfällt oder ein toller Gedanke perfekt in die Situation passt und auf jeden Fall ausgesprochen werden muss. Nun, wir haben eben gequatscht über dies und jenes, insbesondere habe ich sie auch an meinem letzten Gespräch mit Felix teilhaben lassen.

Dazu möchte ich hier sehr fragmentiert mal einen Auszug zum besten geben:

Felix und ich sind ja getrennt. Stand jetzt.

Aber wir haben uns getrennt, in dem Wollen, die Zeit sinnvoll zu nutzen für sich und dann auf jeden Fall nicht als Fernbeziehung eine neue Episode zu starten. Soweit, so gut. Nun sind wir aber schon 1 Jahr getrennt und haben irgendwie beabsichtigt in diesem Jahr oder spätestens kommendes Jahr zusammenzuziehen, an einen Ort.

Jedenfalls hat sich ein relativ konkretes Plandatum potentiell ins neue Jahr verschoben und dennoch denke ich, wenn man doch weiss, dass man sich liebt und eigentlich auch nicht loslassen will, dann wartet man doch nicht auf die Umstände, sondern lebt. Oder? Also im Moment. 

Er gab mir also nebenbei zu verstehen, dass er mit sehr nahestehenden Menschen Reise macht. Und ich wurde nicht einmal gefragt. Andersherum war er noch vor 2 Monaten, im Mai zu Besuch bei mir und kam gerne mit zu meiner Schwester und ihrer Familie. Nachdem wir diese Story mit einem Geschmäckle bereits in der Woche zuvor erörtert hatten, kam er am besagten Sonntag mit folgendem Vorschlag zur Güte auf mich zu: Er könne ja mit dem Fahrrad aus Süddeutschland über Köln fahren, mich abholen und dann mit mir an den Zielort fahren und ich könnte dann ja dann mit dem Zug zurückfahren. (während er am Ziel die anderen trifft)

Ernsthaft?

Ich hab laut gelacht.

Um ihm das Absurde daran zu verdeutlichen, verglich ich es mit dem Beispiel, das sei wie wenn ich ich auf eine Party eingeladen wäre und sage; komm doch mit. Aber bitte, kurz vor dem Haus kannst du dir einen Zug nehmen an der letzten Haltestelle, um wieder zurückzufahren. Wow.

Meine ehrliche Antwort war: ,,Danke nein“. Und das Beste an der ganzen Sache war echt noch seine Reaktion, er war richtig empört und murmelte etwas wie: „Hmhmhmmhmh, echt jetzt?“. Boah und das kombiniert mit diesem ewigen ,,Ich hab sooo gelitten“ fand ich einfach richtig Abtörner. Ich mach keine großen Ankündigungen mehr, es ist einfach egal, aber ich bin so hardcore degoutiert.

Finde das aber nicht soo schlecht und hoffe inständig, dass meine Hormone in den kommenden Tagen dafür sorgen, dass ich mit meinen Gedanken und Handlungen bei mir bleibe. Aber um den Gedankenkreisgang zu schliessen, Jölle meinte daraufhin nur: ,,Das erinnert mich an dich in deinen superegoistischen Zeiten“. Stimmt – das hab ich tatsächlich in dem Moment auch gedacht, dass ich früher häufig solche Moves gemacht habe und an einigen Stellen eben merkte, dass irgendwie in unserem Verhalten eine Umkehrung stattfindet. Er legt alte, längst vergessene Verhaltensweisen von mir an den Tag und ich bin heute viel emphatischer. Aber ich war damals kein schlechter Mensch und im Grunde ist Felix es heute auch nicht.

Egal – trotzdem; Felix, du Otto.

Das war ja wohl Absurdistan.

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