Perspektivwechsel – Intro

28.Juni.20

Ich hasse den, den ich liebe, und ich will ihn nie wiedersehen, ich will nie wieder diesen Schmerz fühlen. Wieso lasse ich mich denn überhaupt auf sowas ein? Immer wieder und wieder? Wieso mache ich immer wieder die gleichen Fehler? Ich bin sauer auf mich, richtig wütend sogar.

So fühle ich mich, wenn eine erneute Kränkung sich auf den bereits vorhandenen Berg der Kränkungen von Felix aufaddiert. Es fühlt sich an, als würde ein neuer Schmerz stechen und der Schmerz in seiner Erscheinung als stechender Blitz, schwelendes Feuerchen und rucksackschwere Steinbruchausbeute mich gleichzeitig brechen, verwirren, lähmen und mich auch Stück für Stück verbrennen. Die Narben sind zwar unsichtbar, aber sie zeigen sich bei jeder neuen Kränkung und manifestieren sich auch in der Vorsicht und dem Misstrauen bei jeder erneuten Annäherung.

Nur nehme ich das meistens nicht so stark wahr, denn bei einem vertrauten Menschen überwiegen in Zeiten des Vergebens und Vertragens oft die Sehnsucht nach einem schönen Moment und der Wunsch nach Nähe.

Ich werde meine Geschichten erzählen, denn im Kopf habe ich unglaublich viele. Wahre, unwahre, halbwahre. Solche, die alles drei sind oder nur eine Kombination von zweien. Solche, die trotz der Tatsache, dass ich sie mir ausgedacht habe, meine Wirklichkeit prägen, weil sie ihre Grundlage sind. Geschichten, die gesehen, gedacht, gefühlt, gelebt oder nur erbrochen sind. 

Gemeint war „errochen“ und ich ergänze „erfühlt“. Aber da das Wort „erbrochen“ sich Dank automatischer Worterkennung seinen Weg in diesen Text erschlichen hat und ich es zudem für sehr passend halte, lass ich es einfach stehen. Warum auch nicht.

Sagte ich vorhin übrigens „Kränkungen von Felix“? Denn eigentlich hat Felix die Kränkung bei mir nur ausgelöst. Sie gehört mir, diese Kränkung. Sie passiert ja schließlich auch in mir. Insofern ist diese angezeigte Possessivrelation nicht korrekt. Zumindest nicht ganz. Ganz sicher aber ungenau oder irreführend.

Wer mich kennt, weiß, dass ich in meinen Gedanken sehr umherspringe, sodass es bisweilen nicht leicht ist mir zu folgen. Hin und her, vor und zurück. Das finde ich nicht schlimm. Es widerspricht jedoch den Erwartungen in der alltäglichen Kommunikation. Ich schreibe all diese Zeilen, weil ich mich selbst permanent darüber ärgere, meine Zeit beeinflusst von süchtig machenden Algorithmen auf sozialen Plattformen zu verbringen oder meines noch größeren Lasters zu frönen: dem zuweilen sinnlosen Sammeln von Informationen. Nachdem ich mich bereits aus einigen Gemeinschaften entfernt habe, bin ich noch bei Whatsapp und Instagram aktiv und arbeite derzeit an meinen Ausstiegsszenarien. Meine Gedanken mache ich zugänglich, weil das Schreiben es mir erlaubt, zu anderen Zeitpunkten Leserin meiner Gedanken zu sein. Es erlaubt mir einen Perspektivwechsel.

Der Mehrwert für den/die LeserIn kann in der Theorie nicht geringer sein als bei vielen anderen Geschichten aus den sozialen Medien oder aus den Qualitätsmedien oder eben anders von Menschen Hergebrachtem und Erzähltem. Das meiste ist und bleibt eine Geschichte. Hier kommen meine.

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